Als Johann W. von Goethe am 14.Mai 1787 an Bord eines Segelschiffes zusammen mit seinem Freund Kniep enthusiastisch den Sonnenuntergang in der Nähe von Capri betrachtete er, ahnten sie noch nicht in welch einer Gefahr sich das ganze Schiff befand. Erst als eine plötzliche Unruhe auf Deck entstand und die Passagiere sich um den Käpitän herumscharten und ihm heftige Vorwürfe wegen eines drohenden Unheils machten, begann ihnen zu dämmern, dass etwas nicht stimmte:
"Wir erkundigten uns nach der Ursache dieser
Unruhe, indem wir nicht begriffen, dass bei völliger Windstille
irgendein Unheil zu befürchten sei. Aber eben diese Windstille machte
jene Männer trostlos. »Wir befinden uns,« sagten sie, »schon in der
Strömung, die sich um die Insel bewegt und durch einen sonderbaren
Wellenschlag so langsam als unwiderstehlich nach dem schroffen Felsen
hinzieht, wo uns auch nicht ein Fußbreit Vorsprung oder Bucht zur
Rettung gegeben ist.«"
Eine kurze Überprüfung der Lage machte ihnen klar, dass sie tatsächlich von einer Strömung in Richtung einer gigantischen Felswand getrieben wurden:
Während die Frauen mit ihren Kindern sich jammernd auf den Boden gekauert hatten, machten die Männer weiterhin dem Kapitän wüste Vorwürfe. Was aber natürlich an der Lage und der auf das Schiff zukommende Katastrophe nicht das Mimdeste änderte. In diesem Moment höchster Not und allgemeiner Verzweifelung ergriff nun Goethe das Wort:
»Was euch betrifft«, rief ich aus, »kehrt in euch
selbst zurück und dann wendet euer brünstiges Gebet zur Mutter Gottes,
auf die es ganz allein ankommt, ob sie sich bei ihrem Sohne verwenden
mag, dass er für euch tue, was er damals für seine Apostel getan, als
auf dem stürmenden See Tiberias die Wellen schon in das Schiff schlugen,
der Herr aber schlief, der jedoch, als ihn die Trost- und Hülflosen
aufweckten, sogleich dem Winde zu ruhen gebot, wie er jetzt der Luft
gebieten kann, sich zu regen, wenn es anders sein heiliger Wille ist.«
Diese Worte taten die beste Wirkung. Eine unter
den Frauen, mit der ich mich schon früher über sittliche und geistliche
Gegenstände unterhalten hatte, rief aus: »Ah! il Barlamé! benedetto il
Barlamé!« und wirklich fingen sie, da sie ohnehin schon auf den Knieen
lagen, ihre Litaneien mit mehr als herkömmlicher Inbrunst
leidenschaftlich zu beten an. "
Aber erst einmal schien sich nichts an ihrer Lage zu ändern. Das Schiff trieb weiter unbeirrt auf die Felswand zu:
"Gebet und Klagen wechselten ab, und der Zustand
wuchs um so schauerlicher, da nun oben auf den Felsen die Ziegenhirten,
deren Feuer man schon längst gesehen hatte, hohl aufschrien, da unten
strande das Schiff! Sie riefen einander noch viel unverständliche Töne
zu, in welchen einige, mit der Sprache bekannt, zu vernehmen glaubten,
als freuten sie sich auf manche Beute, die sie am andern Morgen
aufzufischen gedächten."
Je näher sie nun der Felswand kamen, umso stärker wurde die Brandung. Das Schiff begann mehr und mehr zu schwanken, was bei Goethe Übelkeit auslöste. Er begab sich in seine Kajüte unter Deck und begann dort auf seinem Bett im Halbschlaf vor sich hin zu dämmern:
"Wie lange ich so in halbem Schlafe gelegen, wüsste
ich nicht zu sagen, aufgeweckt aber ward ich durch ein gewaltsames
Getöse über mir; ich konnte deutlich vernehmen, dass es die großen Seile
waren, die man auf dem Verdeck hin und wider schleppte, dies gab mir
Hoffnung, dass man von den Segeln Gebrauch mache.
Nach einer kleinen
Weile sprang Kniep herunter und kündigte mir an, dass man gerettet sei,
der gelindeste Windshauch habe sich erhoben; in dem Augenblick sei man
bemüht gewesen, die Segel aufzuziehen, er selbst habe nicht versäumt,
Hand anzulegen. Man entferne sich schon sichtbar vom Felsen, und
obgleich noch nicht völlig außer der Strömung, hoffe man nun doch, sie
zu überwinden. Oben war alles stille; sodann kamen mehrere der
Passagiere, verkündigten den glücklichen Ausgang und legten sich nieder."
So weit diese uns von Goethe überlieferte Anekdote aus seiner "Italienischen Reise". Das er, der Pantheist späterer Jahre, die Schiffspassagiere zum Gebet ermahnte, mag schon verblüffen. War es eine Eingebung? Man möchte es fast meinen, zumal dann im letzten Moment doch noch eine wundersame Rettung durch eine aufkommende Brise erfolgte
Die ausführliche Geschichte kann man hier anclicken
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Donnerstag, 10. September 2015
Donnerstag, 11. September 2014
Das Wunder von Wien
Zweite Schlacht vor Wien (Gemälde)
Im Jahre 1529 hatte sich das osmanische Heer vor Wien gelagert und die Stadt drohte eingenommen zu werden. Mit dem Fall der habstburgischen Hauptstadt wäre der Weg frei bis an den Rhein gewesen.
Das es dazu nicht kam ist einem sonderbaren Umstand zu verdanken. Es gab einen für die Jahreszeit (Oktober) außergewöhnlichen Wintereinbruch mit Schneefall, für den die Osmanen nicht ausgerüstet waren. Und so zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab. Was die Wiener als eine Fügung Gottes betrachteten und dementsprechende Dankgottesdienste abhielten.
Als die Osmanen im Jahre 1683 erneut vor den Toren Wiens auftauchten, mussten sie überrascht feststellen, dass die Wiener in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben waren und ihre Stadt zu einer schier uneinnehmbaren Festung ausgebaut hatten.
Aber sie wollten nicht erneut unverrichteter Dinge abziehen und so begannen sie unterirdische Tunnel zu graben mit der Idee, sie von dort in die Luft zu jagen. Als die Wiener davon Wind bekamen begannen sie ebenfalls Tunnel zu graben um der Gefahr zu begegnen. Was am Ende in einem richtigen Showdown mündete. Der Durchbruch in den osmanischen Tunnel gelang just in dem Moment, als die Lunte schon an eine riesige Sprengladung gelegt war. Im letzten Moment gelang es den Männer sie zu löschen und eine Katastrophe abzuwenden.
Die Sache ging dann schlussendlich gut für die Wiener und das christliche Abendland aus. Ein Kurier wurde heimlich mit einem dringenden Hilfegesuch losgeschickt und die bislang sich passiv verhaltenden Lothringer und Polen entschlossen sich, den bedrängten Wienern zu Hilfe eilen. Der Angriff der polnischen Reiterhorden traf die sich in Sicherheit wiegenden Osmanen dermaßen unvorbereitet, dass sie fast vernichtend geschlagen wurden. Und danach es auch nicht wieder versuchten.
Auch dieses Mal wurden viele Dankgottesdienste gehalten, denn man betrachtete die zweite Rettung Wiens als eine erneute Fügung Gottes. Als ein WUNDER! Für das auch Einiges spricht. Wäre der Tunneldurchbruch nur wenige Sekunden später erfolgt, hätte die Geschichte wohl einen völlig anderen Verlauf genommen.
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